Schweden von A-Ö – Leben und Arbeiten im Norden

Hiltrud am 16. Dezember 2011 um 15:44

Von Freitag, 16. März 2012 (ab ca. 18 Uhr) bis Sonntag, 18. März 2012 (bis ca. 13 Uhr) leite ich ein Auswanderungsseminar im Nordkolleg in Rendsburg

So lautet der Ausschreibungstext:

Jeder hat bestimmte Vorstellungen von Schweden: Rote Holzhäuschen, grüne Wälder, blaue Seen. Aber wie sieht der schwedische Alltag aus?

In diesem Seminar erfahren Sie, wie Sie in Schweden Fuß fassen, auf was Sie achten müssen und wie Sie sich bestmöglich vorbereiten können. Sie bekommen Tipps, Informationen und Erfahrungsberichte, erhalten die neuesten Internetadressen und erfahren, was Sie in Deutschland und was Sie in Schweden tun müssen, damit der Einstieg in Ihren neuen Lebensabschnitt gelingt.

Inhalte
Kultur, Gesellschaft und Politik Sprache Aufenthalts-, Arbeitserlaubnis und Behördengänge Arbeits- und Wohnungssuche Kindergarten, Schule und Studium Rentenbezug, Sozialversicherung Mentalitätsunterschiede zwischen Schweden und Deutschen u.v.m.

Im Rahmen des Seminars findet am Samstag, den 17.03.2011 um 18.30 Uhr ein öffentlicher Vortrag statt: “Die Samen – Europas Urbevölkerung”

Informationen dazu gibt es unter: www.nordkolleg.de unter  Sprachen & Kommunikation/ Veranstaltungen (Elisabeth Fröhlich Tel.: 0 43 31 / 14 38 23)

Jokkmokk im Dezember

Hiltrud am 9. Dezember 2011 um 18:59

Es ist endlich Winter geworden und nach ein paar Tagen mit Glatteis, hat sich der Schnee nun festgetreten und wir können wieder laufen.

Hier ein kleiner Eindruck von einem “echten” Winter.

Samenhass

Hiltrud am 6. Dezember 2011 um 20:01

Laut Nila Lasko, Jurist und Vorsitzender des nördlichsten Büros gegen Diskriminierung Schwedens, in Arvidsjaur, wird der Hass auf Samen immer ausgeprägter. Vor allem im Internet, meinte er, würden immer häufiger Vorurteile, Beschimpfungen bis zu Aufrufen zur Ausrottung von Samen auftreten.

In Jämtland, Västerbotten, Norrbotten und Norwegen sind Namenschilder von samischen Gemeinden zerstört worden; Koten sind abgebrannt worden, Samen wurden auf offener Straße bedroht. Manche Samen würden sich abends nicht mehr mit ihrer Tracht auf die Straße trauen, zudem würde es immer schwerer für sie, Arbeit zu finden.

In Norwegen wurden 1,4 Millionen norwegische Kronen von der Regierung bereitgestellt, um gegen Diskrimierung und Rassismus gegenüber Samen vorzugehen. In Schweden gab es bisher kein solches Signal von der Regierung.

 

Schwedentraum – nichts als ein Traum

Hiltrud am 14. November 2011 um 19:36

Zurück aus Deutschland und die Erinnerungen an diese 20 Tage: Stuttgart 21, bald gibt es einen Volkseintscheid; Menschen, die einen Atomkraft nein Danke Button tragen. Was bleibt noch in der Erinnerung? Auch in Deutschland leben Menschen, die mit Mitte 25 frühpensioniert sind, weil sie depressiv und fettleibig sind, Merkel kämpft um den Euro, die deutsche Wirtschaft boomt und Dieter Bohlen ist immer noch der Arsch, der er schon immer war. Das Wetter war klasse, rote und gelbe Bäume nahe der Schwäbischen Alb, Butterbrezel und Maultaschen.

Zurück in Schweden: 20 Grad kälter, aber Sonne, glitzernder Raureif und erstes Eis auf dem Talvatis. Kronofogden, die Behörde, die Zahlungsunfähigen den zweiten Fernseher unter dem Hintern raubt, hat Bilder beschlagnahmt, die angeblich von Adolf Hitler gemalt sein sollen. Sie sollen höchstbietend verkauft werden und der Leiter dieser staatlichen Behörde meinte, auf ethische Einwände könne er keine Rücksicht nehmen. Håkan Juholt, Vorsitzender der Sozialisten, trägt immer noch sein Hitlerbärtchen; anscheinend ist ihm die Ähnlichkeit noch nie aufgefallen, vielleicht ist ihm Hitler auch gänzlich unbekannt – obwohl: Haben nicht auch die Schweden mit den Rassengesetzen sympatisiert?  In Deutschland hätte ein Politiker mit einem solch widerwärtig ähnlichem Äußeren keine Chance. Carema, eine Firma, die in Schweden in 69 Gemeinden vertreten ist und auf dem Gesundheitssektor arbeitet, wird in den letzten Tagen vor allem wegen ihrer Vorgehensweise im Altenpflegebereich kritisiert. Die für mich schrecklichste wahre Anschuldigung: Die Mitarbeiter von Corema haben vollgepisste Windeln gewogen. Waren sie nicht voll genug, so wurden sie den alten wehrlosen Menschen wieder angezogen – um Geld zu sparen. In Jokkmokks Gemeinde ist eine Grube in einer Gegend in Planung, in der vor allem Tourismus und Rentierhaltung vorherrscht;  auf dem Hausberg Jokkmokks wird ein Hotel geplant, obwohl das einzige Hotel Jokkmokk ständig leer steht und nur einmal im Jahr für 4 Tage voll belegt ist, zur Marktzeit. Dann dürfen die Gäste zu den zweieinhalbfachen Preisen logieren.  Aber vielleicht wäre ein neues Hotel gar nicht schlecht, sind doch in zwei Campingplätzen die Ratten zu Gange, so dass die darin untergebrachten Handwerker in Jokkmokss Jugendherberge geflüchtet sind.

All dies wäre kein Grund zum Verzweifeln, wenn hier nicht so oft die Mentalität vorherrschen würde: Wir reden nicht drüber, alles halb so schlimm, der Staat wird es schon richten.

Schön ist es, wieder in Jokkmokk zu sein. Ruhig ist es, kalt wird es, vergraben kann man sich … nur ab und an muss man auch rausschauen und ab und an ist die Scheiße hier in Schweden größer als die Schönheit der Natur. Dann muss ich sie nach draußen geben …

Göteborger Buchmesse 2011 (22.-25.09.)

Hiltrud am 5. Oktober 2011 um 16:45

Seit vielen Jahren war ich mal wieder auf der Göteborger Buchmesse. Seit wir aus Dalarna weggezogen sind, erschien mir der Weg sehr weit. Aber nein, Jokkmokk-Göteborg ist in wenigen Stunden zu schaffen- mit dem Flugzeug. Und es hat sich gelohnt! Messethema war diesmal die deutschsprachige Literatur. 30 Schriftsteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren eingeladen und diskutierten über ihre Bücher, aber auch über das Bild der Deutschen, das sie von Schweden haben (allzu idyllisch!!). Vor allem freut es mich, dass ein neuer schwedischer Verlag es wagt, auch junge deutsche Autoreninnen und Autoren zu veröffentlichen. Thoren & Lindskog heißt er. Nachdem er Uwe Timm und Siegfried Lenz übersetzt und veröffentlicht hat, sind es jetzt auch Benjamin Wells oder Richarda Junge.

Ich habe mir viele Seminare angehört, denn die Seminare sind das Besondere an der Buchmesse.. 20-minütige oder 45-minütige Seminare mit den unterschiedlichsten Themen. Jonathan Franzen war da, ein bekannter amerikanischer Autor, der über sein neuestes Buch “Freiheit” gesprochen hat, witzig und belesen, Cornelia Funke bezauberte ihr Publikum durch ihre natürliche und herzliche Art oder Ferdinand von Schirach erzählte über Literarische Verbrechen und brachte sein Publikum durch seine trockene Art zum Lachen. Es war bereichernd und erfrischend.

Die Göteborger Buchmesse ist nicht zu vergleichen mit der Frankfurter, die ab Mitte nächster Woche stattfindet. Sie ist überschaubar, hier kann man Autoren hautnah erleben, sie am Messestand besuchen, man kann ihre Bücher kaufen … es ist eine Messe für Bücherliebhaber!

Im nächsten Jahr sind die nordischen Länder Messethema! Es lohnt sich sicher – und viele Seminare sind auch auf Englisch!

Rentiere, Rentiere, Rentiere …

Hiltrud am 20. September 2011 um 11:06

Es ist nicht nur feucht, es ist nass, alles durchweicht, bei uns fangen sogar die Holzscheite an zu schimmeln. Noch nie habe ich einen so verregneten September in Schweden erlebt wie in diesem Jahr. Deshalb haben wir etliche Rentierschlachtungen sausen lassen, sind nicht in die Berge gefahren, weil wir nicht dabei sein wollten, wenn Samen und Rentiere im Schlamm versinken.

Doch eine Schlachtung, in der Nähe von Tjamotis, Mitte letzter Woche, was sehr schön. Für ein paar Tage hatte es aufgeklart. Wir hatten super Sonne, 15 Grad und durften fotografieren – zumindest als die Rentiere im Gehege waren.

Schlachtbilder durften wir nicht machen, im letzten Jahr hatten einige Briten Bilder von der Schlachtung ins Internet gestellt, ohne Erlaubnis, Aufnahmen, die zeigen sollten, wie grausam eine Rentierschlachtung zugeht … – deshalb waren solche Aufnahmen nicht mehr zugelassen.

Grausam ging es bei der Schlachtung nicht zu. Sicher sind die Rentiere aufgeregt, wenn Sie aus der Herde gezogen werden, sie ahnen bestimmt, was mit ihnen passieren wird. Es ist ihr Los, sie werden gehalten um geschlachtet zu werden – das ist ihr Leben, ein Bolzenschuss beendet es. Wir hatten die Gelegenheit einem über achzigjährigen Samen zuzuschauen, wie er langsam und mit gekommten Schnitten das Rentier zerlegt, wie er das Fell abtrennt, die Innereien herausholt, sie sortiert. Fast alles wird benutzt – der Kopf ist  eine Delikatesse.

Es war eine gute Erfahrung.

Vorträge über die Samen

Hiltrud am 5. September 2011 um 7:37

Ich werde im Oktober in Deutschland zwei Vorträge über
“Die Samen – Europas Urbevölkerung” halten und zwar:
20. Oktober 2011 bei der deutsch-schwedischen Gesellschaft in Köln, Hotel Germania, Aachernerstr. 1230, Köln Weiden, 20.00 und am
24.Oktober 2011 bei der VHS Stuttgart, Rotebühlzentrum, 20.00

 

Neuer Film: Jägarna 2

Hiltrud am 4. September 2011 um 15:13

In Norrland ist der Film Jägarna 2 schon zu sehen, in Stockholm hat er am 9. September Premiere.
Ich war gestern im Kino in Jokkmokk und habe mir die Fortsetzung von Jägarna 1 (der vor 15 Jahren gedreht wurde) angeschaut. Wieder ein Mord, eine Frau, die verschwunden ist
(angelehnt an einen echten Mord vor zwei Jahren in der Nähe von Gällivare). Eric (Rolf Lassgård) wird von Stockholm nach Lappland abbestellt, um bei der Auflösung des Mordes dabei zu sein und wieder gibt es Familienzwiste. Auch diesmal: Jäger, die schweigen, die verheimlichen, Frauen, die geschlagen, Söhne, die misshandelt werden, viele, die die Augen zumachen …
Zwei Stunden lang Action, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und schreckliche realistische Szenen. Wenn man wie ich hier wohnt ist der Film besonders eindrucksvoll, weil ich die Szenen zu kennen glaube. Jägarna 2 ist ein Film, den ich eigentlich nicht noch einmal sehen möchte, aber ich werde ihn mir wieder anschauen – denn er zeigt die Mentalität der Norrländer ungeheuer eindrucksvoll.

Gute Tage, schlechte Tage, gute …

Hiltrud am 19. August 2011 um 10:59

Das Wetter im Mai war besch …eiden und da mir alle möglichen Leute sagten: Das wird ein kurzer Sommer begann ich eine Strichliste zu führen. Ein Plus für einen schönen Sommertag, ein Minus für Regen und Kälte. Und siehe da: Wir hatten einen super Sommer (19 Plus im Juni / 23 Plus im Juli, na ja, der August war etwas weniger schön). Noch nie haben wir so oft draußen gefrühstückt und den Tisch morgens um 8 Uhr in den Schatten stellen müssen. Noch nie habe ich so oft Sandalen und kurze Hosen getragen wie in diesem Sommer. Er war klasse … und das hatten wir nach dem harten Winter auch bitter nötig.

Seit drei Tagen regnet es ununterbrochen und Freunde von uns sind in den Bergen. Wir hoffen, dass sie nicht tagelang im Zelt liegen müssen, denn es ist kalt (in Jokkmokk gerade mal 9 Grad, dann dürfte es in den Bergen noch kälter sein) und vor allem hoffen wir, dass sie über die Flüsse waten können und wieder heil zurückkommen. Jedes Jahr müssen Touristen mit dem Helikopter aus den Bergen gerettet werden …

Es ist hart und extrem – das Wetter in Lappland. Wir haben Temperaturunterschiede von mehr als 70 Grad. Im Winter hatten wir unter minus 40, diesen Sommer waren es über dreißig Grad plus. Davon können Australier nur “träumen”. Sollte es noch weitere Tage lang regnen, dann werden auch wir wieder träumen: von Sonne und Wärme, vom Schwitzen und Schwüle, von lauen Sommernächten. Jetzt ist wieder Saunawetter angesagt, in den Läden gibt es die ersten Winterjacken, ich bräuchte neue Handschuhe, warme, dicke …

 

 

Begegnungen anderer Art

Hiltrud am 20. Juni 2011 um 9:49

An diesem Wochenende fand das Treffen von “Terra Madre” in Jokkmokk statt, ein Treffen der Indiginous People, Menschen von 52 verschiedenen Ländern waren mit dabei. Freitag abend war die Eröffnungsveranstaltung in einem riesigen Tippi-Zelt, es war eine schöne Eröffnung mit kleinen Reden, mit samischer Musik, mit Joik, mit afrikanischem Tanz …

Als die Veranstaltung beendet war, stand ich mit einem Freund draußen vor dem Zelt, eine Flasche Bier in der Hand. Da kam Fia Kaddik auf mich zu, eine der “Türsteherinnen” und sagte mir, ich müsse fünfzig Meter nach oben gehen, in die Hotelbar, hier dürfe ich nicht trinken. Diese Hotelbar liegt im Keller des Jokkmokk -Hotels. Dort war es dunkel, laute Musik spielte, dass man sich nicht unterhalten konnten und alle tranken. “Ich möchte dort nicht hingehen, da ist es mir zu laut”, sagte ich zur Aufpasserin. Und das erste, was sie antwortete: “Du musst, wenn du nicht hingehst, rufe ich die Polizei.” Sie zückte ihr Handy. “Ich trinke nur ein Bier, ich bin nicht betrunken, ich unterhalte mich, dort oben ist es mir zu laut”, war meine Antwort. Sie tippte wild auf ihrem Handy.  Ich wurde so sauer und leerte ihr das Bier vor die Füße – etwas, was man in Schweden ganz sicher nicht tut – denn Alkohol ist teuer und am Freitagabend heilig.

Dies war eine der Situationen, die mir das Leben in Schweden vergällen können.  Ich habe keine Jugendliche zum Trinken animiert, habe niemandem angepöbelt, niemanden eine über den Schädel gehauen, ich stand da und unterhielt mich und hatte dabei eine Bierflasche in der Hand und da hat niemand das Recht mich als Kriminelle abzustempeln. Das ist so falsch, so hirnrissig, dass mir die Worte fehlen. Anstatt dass man in Schweden anfängt zu lernen mit Alkohol verantwortlich umgehen zu können, gibt es dumme Gesetze, die nur dazu dienen, dass Alkohol hier noch mehr auf den Sockel gestellt wird. Und dazu finden sich oft noch Moralisten, die sich als Volkswächter aufspielen. Das schwedische Volk wird mit solchen Gaga-Gesetzen für unmündig erklärt. Trinken – bzw. wenn man einen Flasche Bier in der Hand hat, dann gilt man gleich als Säufer, darf man nur in einem zugeteilten, abgegrenzten Raum. Ich fühlte mich in dieser Situation  wie in einem falschen Film. Ich bin eine eigenständige Person, die selbst entscheiden kann – aber das wurde mir durch diese  dumme Aktion untersagt.